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Märchenstunde

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Es war einmal: „Hänsel und Gretel“, „Schneewittchen“ und Co.

Von Renate Kircher-Ehlers brueder grimm

Als 1980 die erste Auflage des Buches „Kinder brauchen Märchen“ von Bruno Bettelheim erschien, griff ich begeistert zu.

Ich, die schon als Kind die Märchen der Brüder Grimm regelrecht verschlungen hatte, wollte mehr über Entstehung und Hintergründe erfahren. Immer schon war ich der Überzeugung, dass Märchen mit ihren Inhalten für Kinder wertvolle Hilfestellungen in vielen Situationen bieten können. So erzählte ich während meiner langjährigen Tätigkeit regelmäßig Märchen der Grimms. Auch als diese Art Literatur allgemein verpönt war, wusste ich: Märchen sind von elementarer Wichtigkeit. Gerade in der Zeit, in welcher antiautoritäre Erziehung in den Kindertagesstätten angesagt war, hielt ich an meinem Konzept fest und fand bei den Kindern aufmerksame Zuhörer. Bis heute bin ich dessen gewiss: Kinder brauchen Märchen - und zwar in erzählter Form!

Bruno Bettelheim schreibt in einem Kapitel seines Buches „Die Kunst des Märchenerzählens“ Folgendes: "Um ihren Trost, ihren symbolischen Sinn und vor allem ihre zwischenmenschliche Bedeutung auszuschöpfen, sollte man Märchen lieber erzählen als vorlesen. Zum Vorlesen gehört emotionale Anteilnahme an der Geschichte und an dem Kind, das sie hört, aber auch die Fähigkeit, sich vorzustellen, was das Märchen gerade diesem Kind bedeuten könnte. Erzählen ist besser als Vorlesen, weil es Flexibilität erlaubt.

Das Volksmärchen hat im Unterschied zu neueren Märchen seine Gestalt dadurch erhalten, dass es zahllose Male von verschiedenen Erwachsenen allen möglichen Kindern und Erwachsenen erzählt wurde. Jeder Erzähler ließ Elemente fallen und nahm neue hinzu,  um das Märchen für sich selbst und für die ihm gut bekannten Zuhörer noch aufschlussreicher zu machen. Wer einem Kind Märchen erzählte, ging dabei auf die Reaktionen des Kindes ein; sein unbewusstes Verständnis vom Sinn der Geschichte wurde somit von der Auffassung des Kindes beeinflusst. So erfuhr das Märchen Abwandlungen je nach den Fragen des Kindes und je nach dem Entzücken und der Furcht, die es offen zum Ausdruck brachte oder in der Art, wie es sich an den Erwachsenen schmiegte, erkennen ließ. Wer sich an den gedruckten Text eines Buches hält, schmälert den Wert des Märchens. Wenn das Märchenerzählen wirkungsvoll sein soll, muss es ein zwischenmenschliches Ereignis werden für den Erwachsenen und das Kind, die es gestalten. Dies ist beim Vorlesen nicht möglich."

Als ich nach Beendigung meiner Tätigkeit im Evangelischen Kindergarten Offenheim den Wunsch hatte weiter für Kinder dazusein, trat ich an Pfarrer Bohn heran und erläuterte mein Konzept. Ich wollte Märchen erzählen. Mein Wunschdenken fiel auf fruchtbaren Boden. Ab sofort sollten Kinder die Möglichkeit haben an einer Märchenstunde teilzunehmen. Wir beschlossen, mit dem Angebot an die Öffentlichkeit zu gehen. So geschah es!

Im Evangelischen Gemeindehaus Offenheim besteht die Möglichkeit verbunden mit einer herzlichen Einladung, den Märchen der Brüder Grimm zu lauschen.

stadtmusikantenWir treffen uns an jedem letzten Montagnachmittag eines Monats. Von 16:00 Uhr bis 17:30 Uhr spielen wir und hören der Märchenerzählerin zu. Zwischen beiden Aktionen gibt es eine kleine Knabber- und Trinkpause.

Abschließend noch einmal Bruno Bettelheim: „Das Märchen leistet das, was das Kind am meisten braucht. Es beginnt genau dort, wo sich das Kind emotional befindet, es zeigt ihm, wo es hingehen muss und wie es das angreifen kann. Das Märchen gibt diese Hinweise aber implizit in Form von Fantasiematerial, das das Kind nach Belieben aufgreifen kann, und mit Hilfe von Bildern, die es dem Kind leicht machen, das Wesentliche zu erfassen“

Alle, die die Liebe zum Märchen in sich tragen, grüße ich.

 

 

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