Stumm-Orgel Offenheim

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Von Rainer Groß

stumm orgel-beschnitten

Die berühmte Orgelbaudynastie der Familie Stumm aus Rhaunen-Sulzbach im Hunsrück wurde von Johann Michael Stumm (1683-1747) gegründet. Aus der Orgelbauwerkstatt wurden im Laufe von fast 200 Jahren annähernd 300 Orgeln ausgeliefert.

Sechs Generationen von Orgelbauern hinterließen ihre Instrumente am Mittelrhein, in Hunsrück und Eifel, Rheinpfalz, Rheingau und Rheinhessen sowie in Städten wie Frankfurt, Mainz, Mannheim, Koblenz, Trier und Bonn. Trotz ihrer unterschiedlichen Größe und trotz aller zeitbedingten und individuellen Verschiedenheit haben die Stumm-Orgeln als verbindendes Element ihre hohe musikalische und handwerkliche Qualität, die man durchaus mit Instrumenten von berühmten namhaften Orgelbauern der Barockzeit wie Silbermann und Schnittger vergleichen kann. 

Neben den großen dreimanualigen Werken für besonders große Kirchen lieferten die Stumms auch zweimanualige Orgeln für repräsentative Stadtgemeinden und einmanualige Orgeln für den Gebrauch in den Dörfern, wobei die kleinen Orgeln in der Qualität den großen nicht nachstanden. Auf einem Manual mit Pedal waren alle Register vorhanden, die man zur Führung des Gemeindegesangs benötigte; dies in einer Qualität welche jahrelangen Gebrauch ohne größere Reparaturen und Wartungsarbeiten erwarten ließ.
 
orgeltuerDie Offenheimer Orgel, im Jahr 1806 von Friedrich Carl Stumm (1744-1823) erbaut, gehört diesem Dorforgeltypus an. Mit  11 Registern im Manual, davon zwei Zungenregister und zwei Registern im Pedal, gehört sie zu den umfangreich ausgestatteten einmanualigen Orgeln. Das klassizistische Gehäuse aus Eichenholz ist ein besonderer Schmuck im Kirchenraum und fasst mit klaren und schwungvollen Formen die klingenden Register des Manuals zusammen, während die Pedalpfeifen, wie bei Stumm-Orgeln üblich, ohne besonderes Gehäuse frei hinter der Orgel stehen.

Leider sind im Lauf der Zeit einige der originalen Register ausgebaut worden, so z. B. die Prospektfeifen des Prinzipal 4‘. Diese wurden 1917 beschlagnahmt, weil das Zinn zu Rüstungszwecken verwendet wurde. Andere Register, z. B. Trompete, Vox humana und Mixtur fielen im 19. Jahrhundert dem geänderten Zeitgeschmack zum Opfer, der solche Klänge als nicht zeitgemäß ablehnte. Weitere Reparaturen 1902 und 1962 waren jeweils leider mit dem Verlust originaler Substanz verbunden. So wurde auch das originale Gebläse aus zwei übereinander liegenden Keilbälgen durch einen Magazinbalg ersetzt.  Der Kanaltremulant wurde entfernt.

Auch in der Technik der Orgel wurden Veränderungen vorgenommen, z. B. mechanische Teile in nicht Stummscher Bauweise eingefügt oder Tastenbeläge verändert. Im Rahmen einer den  musikalischen und handwerklichen Idealen ihrer Erbauer entsprechenden Restaurierung wären insgesamt sechs Register der Orgel neu anzufertigen. Ebenso müssten grundlegende Arbeiten an Windlade und Mechanik ausgeführt werden, ein Teil des Schnitzwerks (Gehäuseverzierungen) ist zu ergänzen, die vorhandenen Pfeifen müssten repariert und im Sinne Stummscher Klangintension überarbeitet und neu intoniert und gestimmt werden. Eventuell könnte aus den vorhandenen Spuren der alten Gebläseanlage eine neue Anlage mit zwei Keilbälgen rekonstruiert werden.

Das wertvolle Offenheimer Orgelwerk könnte dann wieder in einer seiner ursprünglichen Form entsprechenden baulichen und klanglichen Gestalt in der Kirche erklingen, als überzeugendes klangliches und handwerkliches Denkmal der vortrefflichen Kunst seiner Erbauer.

- „Dem Nächsten zur Lehr‘, Gott zur Ehr‘“, wie Johann Sebastian Bach es formulierte. -

Die Originaldisposition der Offenheimer Orgel ist gleichzeitig auch Richtschnur für unser Restaurierungsvorhaben (in Klammern die derzeitige Besetzung bzw. Anmerkungen):

Prinzipal 4 '  (1985)
Hohlpfeif 8' Bass (Holz, 1985 Stumm-untypisch angefertigt)
Flaut travers 8' Discant  (fehlt)
Hohlpfeif 8' Discant (Metall, original)
Solicinal 4' (Salicional bzw. Äoline 8' von Bechstein)
Quint 3' (original)
Flaut 4' Bass (original, mit einigen Fremdpfeifen)
Flaut 4' Discant (original, heute auf gemeinsamer Schleife mit Baß)
Oktav 2' (original, um einige Fremdpfeifen ergänzt)
Tertz 1 3/5' (fehlt)
Mixtur 3 fach 1'
Trompet 8' Bass (Rekonstruktion nach Bärstadt 1985, zu enge Mensur)
Trompet 8' Discant (wie Baß)
Vox humana 8' Bass (fehlt)
Vox humana 8' Discant (fehlt)
Tremulant (fehlt)
Violonbass 8' (Subbass 16' von Bechstein)
Oktavbass 8' (Prinzipal 4' aus Zink, von 1963)
Pedalkoppel

Auf der Grundlage des Angebotes der Meisterwerkstätte für Orgelbau Rainer Müller (Merxheim/Nahe) soll die Orgelbaumaßnahme in zwei Abschnitten realisiert werden (Gesamtkosten: etwa 150.000,- Euro): Das sog. Grundprogramm (Kosten: 98.000 Euro) sowie Zusatzangebote für die Rekonstruktion verloren gegangener bzw. bei der Teilrestaurierung im Jahr 1985 nicht stumm-gemäß angefertigter Register (Kosten: 52.000 Euro).

Bereits im Jahr 2010 hat der Kirchenvorstand den Förderkreis Stumm-Orgel Offenheim gegründet, der sich mit dem Einwerben von Spendengeldern befasst. Denkbar sind z. B. Benefizkonzerte, Orgelbasar, Gemeindefeste, etc. und das gezielte Ansprechen von Sponsoren.

Aufgrund der erfolgreichen Fundraisingarbeit des Förderkreises war es uns möglich, im Januar 2015 mit der Umsetzung des Grundprogramms und bereits einigen Zusatzangeboten zu beginnen. Seit Beginn des Jahres 2016 wird die Orgel in unserer Kirche aufgebaut und intoniert. Nun konzentriert sich der Förderkreis mit seinen Aktivitäten auf die Finanzierung der verbleibenden Maßnahmen des Zusatzangebotes zum Preis von 30.000,- Euro. Wir sind zuversichtlich, dass wir diese im Jahr 2017 verwirklichen können.

Für Ihre Mitarbeit bzw. Mithilfe ist die Evangelische Kirchengemeinde Offenheim sehr dankbar. Das Vorhaben des Förderkreises kann auf verschiedenste Art und Weise unterstützt werden. Spendenbescheinigungen können durch das Pfarramt ausgestellt werden. Weitere Auskünfte erteilen sehr gerne Pfarrer Eric Bohn (Tel. 0 67 36-2 34 und Kantor Rainer Groß (Tel. 0 67 34-91 39 13).

Für Ihr Interesse bedanke ich mich, auch im Namen von Pfarrer Bohn und dem Kirchenvorstand!

Rainer Groß

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