„Gott hat viele Namen“ Jugend-Gottesdienst und „Luther-Party“ am Reformationstag

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Jugend-Gottesdienste sind „etwas andere Gottesdienste". Auch in diesem Jahr wurde das den Besucherinnen und Besuchern des Jugend-Gottesdienstes am Reformationstag wieder einmal bewusst – und zwar schon beim Betreten der Kirche. Der Kirchenraum präsentierte sich im sprichwörtlichen Sinn in einem anderen Licht: Sogenannte Floor-Spots (Strahler, die auf dem Boden stehen) illuminierten die Wände und Decke der Weinheimer Kirche in bunten Farben. Das Licht war immerhin so dezent, dass das Kerzenlicht des großen Kronleuchters, der Altarkerzen und der Osterkerze besonders schön zur Geltung kam. Die Kirche strahlte festlich, die Stimmung war beinahe sogar andächtig, wären nicht aufgeregte „Konfis" im Altarbereich herumgewuselt. Doch wer hatte da kein Verständnis für die Aufgeregtheit der Jugendlichen!? Denn an diesem Abend waren sie es, die den Gottesdienst aktiv mitgestalten sollten. Fragen, wer wo sitzen und wann die Lesungen, das Fürbittengebet usw. halten sollte, mussten eben noch geklärt werden. Wer ist da schon nicht aufgeregt, wenn er sich vor die Gemeinde in einer fast voll besetzten Kirche stellen soll!?

Doch dann wurde es auf einmal schlagartig still. Alle in der Kirche fingen an zu staunen, als unsere Jugend-Band „Impossible Silence" den Gottesdienst mit dem bekannten Song „Welcome to my life" eröffnete. Die Band, die mich schon bei ihrem ersten Auftritt bei der Konfirmation im Mai begeisterte, hat noch einmal einen musikalischen Riesensprung nach vorn gemacht. Alle Achtung! Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes folgten die Songs „Someone like you", „I'm no Superman" und „Follow Rivers", allesamt begleitet vom begeisterten Applaus der Gottesdienstbesucher.

Jugendliche aus unserer Pfarrei hatten schon vor Monaten vorgeschlagen, mit dem diesjährigen Jugend-Gottesdienst ein Zeichen für Respekt und Toleranz zu setzen, insbesondere zwischen den Religionen Christentum und Islam. Bei den vorbereitenden Gesprächen kamen wir schnell darin überein, dass wir nicht über die andere Religion sprechen, sondern mit ihren Vertretern. So klopften wir bei den Verantwortlichen des Türkisch-islamischen Kulturvereins Alzey e. V. an. Immerhin pflegen die Alzeyer Moscheegemeinde und unsere Pfarrei seit einigen Jahren einen von Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit geprägten Kontakt. Mit unserer Idee für einen Jugend-Gottesdienst mit einem interreligiösen Thema standen wir bei den Alzeyer Muslimen vor weit geöffneten Türen. Im Gespräch mit dem muslimischen Theologen Mustafa Cimsit, Aleksandar Ceh, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Beirats für Migration und Integration der Stadt Alzey, und Metin Pehlivan vom türkisch-islamischen Kulturverein einigten wir uns darauf, eine wesentliche Gemeinsamkeit von Christentum und Islam zum Thema des Gottesdienstes zu machen: die Vielzahl der Namen Gottes. „Gott hat viele Namen" Das bezeugen sowohl die Bibel als auch der Koran. Nach dem Glauben beider Religionen stehen die Namen Gottes für eine Vielfalt und Buntheit, die zunächst in Gott selbst angelegt ist. Insofern wir Menschen uns als Gottes Ebenbilder (1. Mose 1, 27) begreifen können, repräsentieren wir Menschen die Vielfalt und Buntheit Gottes. Es ist von Gott gewollt, dass Menschen unterschiedlich aussehen und denken. Und das schließt nicht zuletzt auch die religiöse Vielfalt unter uns ein. Die „Einen" sollen die „Anderen" nicht als Bedro-hung begreifen, sondern als Bereicherung und Chance zur Erweiterung des eigenen Horizonts. Das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Religionen in unserer Gesellschaft soll von Respekt und Toleranz geprägt sein.

Das wurde mehrfach und auf unterschiedliche Weise deutlich: In einem Rollenspiel entfachte eine selbstbewusst bis arrogant auftretende Geschäftsfrau einen Streit mit einem Imam und einer Pfarrerin, weil ihr die neu gebaute Moschee den freien Blick aus ihrer Penthousewohnung versperrt und auch das Glockengeläut der evan-gelischen Kirche eher lästig erscheint. Am Ende konnte der Konflikt beige-legt werden – Dialog heißt das Zauberwort!

Respekt und Toleranz als Ziel unseres gemeinsamen Weges zeigten andere Jugendliche mit kreativ gestalteten Wegwei-sern. Mit diesen machten sie deutlich, dass das bereits im Alltag konkret werden sollte, wie zum Beispiel an einem fairen Umgang im Sport (Weg-weiser mit durchgestrichener roter und gelber Karte) oder in der Schule (ein Schüler mit einer guten Note im Test tröstet einen Schüler, der eine schlechte Note geschrieben hat).

Abschließend sangen wir das Lied „Aufstehn, aufeinander zugehn", was wir dann auch, so weit der Platz vor dem Altar es zuließ, mit einigen Teilnehmern in die Tat umsetzten.

Eric Bohn

Bildergalerie zum Jugend-Gottesdienst am Reformationstag

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